Eine Zahnprothese ist herausnehmbarer Zahnersatz, entweder für den ganzen Kiefer (Vollprothese) oder für einzelne Lücken (Teilprothese). Die Kasse zahlt einen Festzuschuss je Kiefer, für eine Vollprothese 2026 ohne Bonus 576,44 Euro oben und 617,72 Euro unten (KZBV, Festzuschüsse 2026). Welche Art passt, hängt davon ab, wie viele eigene Zähne Sie noch haben, wie fest diese sind und wie viel Kieferknochen vorhanden ist.
Wie viele Menschen eine Prothese tragen
Zahnlosigkeit ist in Deutschland seltener geworden. Von den 65- bis 74-Jährigen hat laut der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6) nur noch etwa jeder Zwanzigste keine eigenen Zähne mehr, 2014 waren es noch 11 bis 12 Prozent. Knapp 30 Prozent dieser Altersgruppe tragen herausnehmbaren Zahnersatz, 11 Prozent eine Vollprothese. Festsitzender Zahnersatz hat den herausnehmbaren inzwischen überholt (zm, DMS 6 Zahnverlust).
Für Sie heißt das: Viele Prothesen sind heute Teilprothesen, die an eigenen Zähnen befestigt werden. Diese Restzähne zu erhalten ist oft wichtiger als die Wahl des Prothesenmaterials.
Die Arten im Überblick
| Art | Wofür | hält durch | Festzuschuss-Befund |
|---|---|---|---|
| Vollprothese | zahnloser Kiefer | Saugwirkung, Haftung am Kiefer | 4.2 (OK), 4.4 (UK) |
| Teilprothese mit Klammern (Modellguss) | mehrere Lücken, Freiend | Metallklammern an den Restzähnen | 3.1 |
| Teleskop- oder Geschiebeprothese | Lücken mit wenigen Ankerzähnen | Doppelkronen oder Geschiebe | 3.1 + 3.2 bzw. 4.1/4.3 + 4.6 |
| Prothese auf Implantaten | zahnloser Kiefer, wenig Halt | Druckknöpfe, Locator oder Steg | Befund des zahnlosen Kiefers |
| Sofort- oder Interimsprothese | Übergang nach Zahnverlust | Klammern oder Saugwirkung | 5.1–5.4 |
Was die einzelnen Arten kosten: Was kostet eine Zahnprothese? und Teleskopprothese.
Vollprothese
Die Vollprothese, auch Totalprothese oder „die Dritten“, ersetzt alle Zähne eines Kiefers. Zahnfleischfarbene Basis und Zähne bestehen in der Regel aus Kunststoff. Eine Metallbasis gehört nur in Ausnahmefällen zur Kassenleistung, etwa bei einem Knochenwulst am Gaumen (G-BA, Zahnersatz-Richtlinie Nr. 30).
Teilprothese mit Klammern
Fehlen mehrere Zähne und lassen sich die Lücken nicht mit Brücken schließen, ist eine Modellgussprothese die Standardlösung: ein dünnes Metallgerüst mit Kunststoffzähnen, das sich mit Klammern an den Restzähnen festhält und auf ihnen abstützt (Zahnersatz-Richtlinie Nr. 28). Sie ist die günstigste Teilprothese. Ihr Nachteil: Die Klammern können im sichtbaren Bereich auffallen und belasten die Ankerzähne. Sind die Restzähne zu locker für eine Abstützung, sieht die Richtlinie eine einfache Kunststoffprothese vor (Nr. 29).
Teleskop- und Geschiebeprothese
Hier sitzt die Prothese auf überkronten eigenen Zähnen. Das hält fester und kommt ohne sichtbare Klammern aus, kostet aber deutlich mehr. Teleskopkronen gehören nur auf Eckzähnen und ersten Prämolaren zur Regelversorgung, bei drei oder weniger Restzähnen gelten Sonderregeln (Zahnersatz-Richtlinie Nr. 35). Details: Teleskopprothese.
Prothese auf Implantaten
Zwei bis vier Implantate halten die Prothese über Druckknöpfe, Locator oder einen Steg. Die Implantate selbst zahlt die Kasse nicht, sie gibt nur den Festzuschuss für die Prothese. Nur bei einem stark geschwundenen zahnlosen Kiefer ist eine implantatgetragene Totalprothese eine Ausnahmeindikation der Regelversorgung, auch dann ohne die Implantate (Zahnersatz-Richtlinie Nr. 36–38). Mehr dazu: Zahnimplantate und Krankenkasse.
Welche Prothese passt zu welcher Ausgangslage?
| Ihre Situation | häufige Lösung |
|---|---|
| Gerade Zähne gezogen, Wunde heilt noch | Sofort- oder Interimsprothese, später umarbeiten oder ersetzen |
| Mehrere Lücken, gesunde und feste Restzähne | Modellgussprothese mit Klammern; mehr Komfort mit Teleskopen |
| Nur noch wenige Zähne, z. B. Eckzähne | Teleskop- oder Cover-Denture-Prothese |
| Zahnlos oben | Vollprothese, hält meist gut |
| Zahnlos unten, Prothese wackelt | Unterfütterung, neue Prothese oder zwei Implantate |
| Sie möchten keine Gaumenplatte | Implantate oder, wenn genug Zähne da sind, Teleskope |
Die Tabelle ersetzt keine Untersuchung. Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt muss vorher prüfen, welche Zähne erhaltungswürdig sind. Lassen Sie sich mehrere Varianten mit Kostenaufstellung geben. Die Verbraucherzentrale rät zu drei: Basis, mittlere und optimale Lösung (Verbraucherzentrale).
Oberkiefer und Unterkiefer: der Unterschied
Viele Menschen kommen mit der oberen Prothese gut zurecht, mit der unteren nicht. Der Grund ist die Form:
- Oberkiefer: Die Prothese liegt mit einer Platte am Gaumen an. Die große Fläche erzeugt eine Saugwirkung.
- Unterkiefer: Die Prothese hat die Form eines Hufeisens, weil die Zunge Platz braucht. Die Auflagefläche ist kleiner, Zunge und Muskeln bewegen sie beim Sprechen und Kauen.
Hält die untere Prothese schlecht, gibt es drei Wege: Unterfütterung, eine neue Prothese oder Implantate zur Fixierung. Für den zahnlosen Unterkiefer gilt eine Prothese auf zwei Implantaten seit dem McGill-Konsens von 2002 international als empfohlene Erstversorgung (Feine et al., Gerodontology 2002). In schwierigen Fällen kann schon ein einzelnes Implantat den Halt einer Totalprothese deutlich verbessern (zm, 2023). Die Zwei-Implantat-Lösung kostet im Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Implantologie 3.400 Euro, mit überarbeiteter vorhandener Prothese 2.800 Euro (Stiftung Warentest).
So entsteht eine Prothese
Vor dem Zahnersatz müssen kranke Zähne behandelt sein: Karies, Wurzelbehandlungen und Parodontitis werden zuerst versorgt, nicht erhaltungswürdige Zähne und Wurzelreste entfernt (Zahnersatz-Richtlinie Nr. 11). Dann stellt die Praxis den Heil- und Kostenplan auf, den die Kasse genehmigen muss.
Die Herstellung einer Vollprothese läuft typischerweise so ab:
- Erster Abdruck mit einem Standardlöffel. Daraus fertigt das Labor bei Bedarf einen individuellen Löffel.
- Funktionsabdruck: Sie bewegen Lippen, Wangen und Zunge, damit der Prothesenrand später genau passt. Beim zahnlosen Kiefer ist er vorgeschrieben (Zahnersatz-Richtlinie Nr. 32).
- Bissnahme: Die Praxis bestimmt, wie Ober- und Unterkiefer zueinander stehen und wie hoch der Biss sein soll.
- Wachseinprobe: Die Zähne sind in Wachs aufgestellt. Sie sehen Form, Farbe und Stellung und können Änderungen verlangen.
- Eingliederung der fertigen Prothese, danach Kontrollen wegen Druckstellen.
Im klassischen Ablauf sind dafür fünf bis sechs Termine nötig. Mit digitalen Verfahren lässt sich das in geeigneten Fällen auf drei Termine verkürzen (Aiche, Der Freie Zahnarzt 1–2/2026). Nehmen Sie die Wachseinprobe ernst: Danach lässt sich die Zahnstellung nur noch mit Aufwand ändern.
Sofortprothese nach dem Ziehen
Werden Zähne gezogen, kann eine Sofortprothese am selben Tag eingesetzt werden, damit Sie nicht ohne Zähne sind. Die Richtlinie sieht vor, dass sie später umgearbeitet werden kann, oder dass eine Interimsprothese die Zeit bis zur endgültigen Versorgung überbrückt, vor allem bei fehlenden Frontzähnen (Zahnersatz-Richtlinie Nr. 12–13). Weil sich der Kiefer nach dem Ziehen stark verändert, muss eine Sofortprothese meist bald unterfüttert werden.
Eingewöhnung
Eine neue Prothese fühlt sich anfangs fremd an. Typisch sind in den ersten Tagen und Wochen:
- Druckstellen: Melden Sie sie der Praxis, statt sie auszuhalten. Nicht jeder Zahnersatz passt auf Anhieb, Nachbesserungen gehören dazu (KZV Berlin).
- Sprechen: Manche Laute klingen anfangs anders. Lautes Vorlesen ist eine einfache Übung.
- Essen: Mit weichen, klein geschnittenen Speisen beginnen und auf beiden Seiten gleichzeitig kauen.
Die Unterweisung im Gebrauch der Prothese und die Nachbehandlung gehören zur Regelversorgung, die die Praxis erbringen muss (§ 56 Abs. 2 SGB V). In den ersten zwei Jahren muss der Kassenzahnarzt nötige Wiederherstellungen kostenfrei vornehmen (§ 136a Abs. 4 SGB V).
Häufige Probleme und was dagegen hilft
Entzündung unter der Prothese (Prothesenstomatitis): Die Schleimhaut unter der Prothese, meist am Gaumen, rötet sich. Viele Betroffene merken davon wenig. Je nach Studie sind 20 bis 80 Prozent aller Prothesenträger betroffen. Hauptursachen sind ununterbrochenes Tragen auch nachts, unzureichende Reinigung und ein schlechter Sitz; Raucher und Träger älterer Prothesen sind häufiger betroffen (zm, Übersicht nach McReynolds 2023). Die wichtigste Gegenmaßnahme ist die tägliche mechanische Reinigung.
Nachlassender Halt: Der Kiefer bildet sich mit den Jahren zurück, die Prothese wird locker. Dann ist eine Unterfütterung fällig, nicht mehr Haftcreme. Mit dem Alter nehmen außerdem Muskelkontrolle und Speichel ab, beides verschlechtert den Halt und begünstigt Druckstellen (zm, 2023).
Haftcreme: Sie kann Halt und Sicherheit beim Kauen verbessern. Achten Sie auf zinkfreie oder zinkarme Produkte, denn große Mengen Zink aus Haftmitteln können Nerven schädigen (zm, 2023).
Klammern lockern Zähne: Bei Teilprothesen tragen die Ankerzähne mehr Last. Gründliche Reinigung um diese Zähne und regelmäßige Kontrollen schützen sie. Geht ein Ankerzahn verloren, kann die Prothese oft erweitert werden, dafür gibt es eigene Festzuschüsse.
Unterfütterung und Reparatur
Der Kiefer bildet sich unter der Prothese mit der Zeit zurück. Die Prothese verliert dann Halt, obwohl sie selbst noch in Ordnung ist. Bei einer Unterfütterung wird die Auflagefläche neu angepasst. Die Kasse zahlt dafür eigene Festzuschüsse:
| Leistung | ohne Bonus | 75 % |
|---|---|---|
| Unterfütterung Teilprothese (6.6) | 108,08 € | 135,10 € |
| Unterfütterung Vollprothese, je Kiefer (6.7) | 130,15 € | 162,69 € |
Quelle: KZBV, Festzuschüsse 2026. Auch für Reparaturen und Erweiterungen gibt es Festzuschüsse (Befundklasse 6). Ein Sprung in der Kunststoffbasis oder ein abgebrochener Zahn lässt sich meist im Labor reparieren. Kleben Sie die Prothese nicht selbst.
Pflege
Eine Prothese sollte täglich mechanisch gereinigt werden, mit Bürste und Seife oder speziellem Prothesenreiniger. Normale Zahnpasta zerkratzt den Kunststoff, auf der rauen Oberfläche haftet mehr Belag (zm, 2023). Bei hochbetagten Menschen senkt das nächtliche Herausnehmen das Risiko einer Lungenentzündung. Anleitung mit allen Schritten: Zahnprothese reinigen.
Kassenzuschuss und Härtefall
Wer keine lückenlosen Kontrollen im Bonusheft nachweisen kann, bekommt 60 Prozent der festgesetzten Kosten der Regelversorgung. Mit 10 Jahren Bonus sind es 75 Prozent (Bonusheft). Prüfen Sie außerdem die Härtefallgrenze: 2026 bis 1.582 Euro brutto im Monat für Alleinlebende. Dann zahlt die Kasse die Regelversorgung komplett (Härtefall).
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