„Schraubenlose Zahnimplantate“ ist kein Fachbegriff, sondern ein Werbewort für drei verschiedene Dinge. Fast jedes Implantat, also die künstliche Zahnwurzel, wird mit einem Gewinde in den Knochen gedreht. Was „schraubenlos“ ist, ist meist die Verbindung darüber: eine Krone ohne Halteschraube, ein gesteckter Aufbau oder ein einteiliges Mini-Implantat (Fachratgeber eines Oralchirurgen). Für die Kasse ist alles ein Implantat: Sie zahlt nur den Festzuschuss.
Wo an einem Implantat Schrauben sitzen
Eine Implantatversorgung besteht meist aus drei Teilen:
- Implantatkörper: ein Zylinder aus Titan oder Keramik, 3 bis 5 Millimeter dick und 8 bis 14 Millimeter lang. Sein Gewinde hält ihn in den ersten Wochen, danach wächst der Knochen an ihn an.
- Aufbau (Abutment): das Verbindungsstück. Er wird meist mit einer kleinen Halteschraube im Implantat befestigt.
- Krone: der sichtbare Zahn, verschraubt, zementiert oder über einen Konus aufgesteckt.
Die Halteschraube ist nur wenige Millimeter lang. Mit einer Schraube aus dem Baumarkt hat sie wenig gemein. Quelle: Fachratgeber.
Die drei Bedeutungen von „schraubenlos“
1. Krone ohne Halteschraube. Die Krone hält mit Zement oder einer Konusverbindung auf dem Aufbau. Vorteil: kein Schraubenkanal in der Krone. Nachteil: Zementreste unter dem Zahnfleisch gelten als eine Ursache für Entzündungen am Implantat, und die Krone lässt sich schwerer abnehmen. Verschraubte Kronen haben dafür das Risiko, dass sich die Schraube mit der Zeit lockert und nachgezogen werden muss.
2. Gesteckter Aufbau. Der Aufbau wird in das Implantat gedrückt, eine Halteschraube entfällt. Solche Systeme sind selten, die Studienlage ist dünner als bei verschraubten Aufbauten, und alle Teile kommen von einem Hersteller. Bei einer Reparatur brauchen Sie eine Praxis, die das System kennt.
3. Mini-Implantate. Sie sind dünner als Standardimplantate und werden ebenfalls in den Knochen gedreht. Sie werden vor allem eingesetzt, um eine Prothese zu stabilisieren, wenn der Kiefer für normale Implantate zu schmal ist. Weil sie oft aus einem Stück bestehen und ohne Halteschraube auskommen, werden sie als „schraubenlos“ beworben.
Was die Studien sagen
Zementiert oder verschraubt: Eine Übersichtsarbeit mit 73 Studien fand nach fünf Jahren keinen Unterschied in der Überlebensrate: 96,0 Prozent bei zementierten, 95,6 Prozent bei verschraubten Kronen und Brücken. Verschraubte Versorgungen hatten insgesamt aber weniger technische und biologische Komplikationen (Wittneben et al. 2014). Zementreste gelten als Risikofaktor für Entzündungen am Implantat (Jepsen et al. 2015). „Ohne Schraube“ ist also nicht automatisch besser.
Mini-Implantate für Prothesen: Eine Auswertung von 39 Studien mit 3.787 Mini-Implantaten unter 1.026 Prothesen ergab eine geschätzte Überlebensrate von 91,4 Prozent nach sieben Jahren. Im Oberkiefer hielten sie schlechter als im Unterkiefer, und technische Probleme waren häufig, sodass regelmäßige Nachkontrollen nötig sind (Mohammadi et al. 2025). Die mittlere Beobachtungszeit lag nur bei gut zwei Jahren.
Ein oder zwei Implantate im Unterkiefer: Der internationale Standard für die zahnlose Unterkieferprothese sind zwei Implantate (McGill-Konsens 2002). Neuere Übersichtsarbeiten zeigen, dass ein einzelnes Implantat in der Mitte bei ausgewählten Patienten ähnlich gut funktionieren kann; als allgemeiner Standard reicht die Datenlage aber noch nicht (Tudts et al. 2026).
Für wen das interessant ist
Hinter der Suche steckt oft eine lockere Vollprothese, das zeigt schon der häufige Zusatz „für Senioren“. Dann ist die eigentliche Frage: Wie bekomme ich meine Prothese fest, ohne große Operation? Die Optionen:
- Prothese auf zwei Implantaten mit Druckknöpfen: im Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Implantologie 3.400 Euro, mit überarbeiteter vorhandener Prothese 2.800 Euro (Stiftung Warentest).
- Prothese auf Mini-Implantaten: wenn der Knochen für Standardimplantate zu schmal ist und ein Knochenaufbau vermieden werden soll.
- Prothese auf Steg und Implantaten: in einer Preisliste aus Polen 3.000 Euro je Kiefer für die Prothese auf Steg auf zwei Implantaten; die Implantate stehen dort als eigener Posten (je 750 Euro), ob sie enthalten sind, geht aus der Liste nicht hervor (Preisliste Słubice, abgerufen am 29.10.2026).
- Unterfütterung der bestehenden Prothese: die günstigste Lösung, wenn sich nur der Kiefer verändert hat. Die Kasse zahlt dafür einen eigenen Festzuschuss (Zahnprothese).
Welche Lösung passt, hängt laut dem Fachratgeber mehr von Knochenangebot, Allgemeinzustand und Medikamenten ab als von der Bauform des Implantats.
Was die Kasse zahlt
Implantate sind keine Kassenleistung, außer bei vier seltenen Ausnahmeindikationen (§ 28 Abs. 2 SGB V, Zahnimplantate und Kasse). Für die Prothese gibt es den Festzuschuss für den zahnlosen Kiefer (KZBV, Festzuschüsse 2026):
| Befund | ohne Bonus | 75 % |
|---|---|---|
| zahnloser Unterkiefer (4.4) | 617,72 € | 772,16 € |
| zahnloser Oberkiefer (4.2) | 576,44 € | 720,56 € |
Beim stark geschwundenen zahnlosen Kiefer gehört der Zahnersatz auf Implantaten nach den Zahnersatz-Richtlinien zur Regelversorgung. Die Implantate selbst zahlen Sie trotzdem (KZBV-Kompendium).
Die Kosten im Vergleich
| Lösung für eine lockere Unterkieferprothese | Kosten | Quelle |
|---|---|---|
| Unterfütterung der vorhandenen Prothese | Festzuschuss 2026 ohne Bonus 130,15 € | KZBV |
| neue Vollprothese, Regelversorgung | 1.029,54 € angesetzt | KZBV |
| neue Prothese auf zwei Implantaten mit Druckknöpfen | ca. 3.400 € | DGI-Beispiel |
| vorhandene Prothese auf zwei Implantaten umgearbeitet | ca. 2.800 € | DGI-Beispiel |
Quellen: KZBV, Festzuschüsse 2026, Stiftung Warentest. Für Mini-Implantate gibt es keine belegten Durchschnittspreise; lassen Sie sich einen Kostenplan mit Implantaten, Halteelementen und Umarbeitung der Prothese einzeln geben. Den Festzuschuss für den zahnlosen Kiefer bekommen Sie bei allen Varianten; ab Bewilligung 2027 sinkt er auf 50, 60 oder 65 Prozent (Was sich 2027 ändert).
Folgekosten: Prothesen auf Implantaten brauchen Wartung; bei Mini-Implantaten waren technische Probleme in den Studien häufig (siehe oben). Fragen Sie, was ein Tausch der Halteelemente kostet und wie oft er bei dem System üblich ist.
Fragen an die Praxis
- Was genau meinen Sie mit „schraubenlos“: Krone, Aufbau oder Mini-Implantat?
- Wie viele Implantate, welcher Hersteller, welches System?
- Kann eine andere Praxis das System später reparieren?
- Was kostet die Alternative mit Standardimplantaten oder einer Unterfütterung?
Mehr: Zahnimplantat-Kosten · Zahnprothese-Kosten · Zahnersatz-Kosten im Überblick


